IKARUS 2014

Spaghettihochzeit | Foto: Joerg Metzner 
Spaghettihochzeit | Foto: Joerg Metzner
Foto: Kay Herschelmann 
Foto: Kay Herschelmann
 

DER IKARUS 2014 geht an "Spaghettihochzeit" vom ATZE Musiktheater

Am Mittwochabend, den 15.10.2014, wurde im Rahmen einer festlichen Preisverleihung im Podewil der mit 5.000 EUR dotierte Theaterpreis für herausragende Inszenierungen der Berliner Kinder- und Jugendtheater an das Stück „Spaghettihochzeit“ vom ATZE Musiktheater verliehen. In Anwesenheit der Staatssekretärin für Jugend und Familie, Sigrid Klebba und des Kulturstaatssekretärs Tim Renner überreichte die Geschäftsführerin des JugendKulturService Doris Weber-Seifert und Armin Stapel von der Joachim und Anita Stapel Stiftung die Trophäe und das Preisgeld.

Das Stück hatte sich in der finalen Runde innerhalb der “Woche des IKARUS“ gegen vier weitere Nominierungen (s.u.) durchsetzen können und wurde von der unabhängigen Jury als „stimmige und spannungsvolle Inszenierung“ geehrt, welche ein „schwieriges Thema behandelt“: Wie geht es Kindern, wenn Eltern sich trennen.

Foto: ??? 
Foto: ???

Theaterleiter Thomas Sutter, verantwortlich für Buch, Musik, Liedtexte und Regie des Stückes, sagte nach der Preisverleihung: Den IKARUS 2014 für 'Spaghettihochzeit' zu bekommen ist eine große Ehre und Freude. Zum einen freut es mich, dass mit dieser Inszenierung unser Mut belohnt wird, sich mit dem Thema 'Scheidung' auf schwieriges Terrain vorzuwagen. Die Auszeichnung ist Bestätigung und Motivation, auch in Zukunft unbequeme Inhalte auf die Bühne zu bringen. Um unser Publikum dafür zu begeistern, ist diese Auszeichnung von großer Bedeutung.

Zum anderen haben wir mit dieser Inszenierung unsere musikalische Entwicklung hin zu einer Form des modernen Sing-Spiels voran getrieben, in der gesungene und gesprochene Dialoge ganz eng mit einander verzahnt, chorische Elemente etabliert und Szenen komplett durchkomponiert werden. Es ist wunderbar, dass mit der IKARUS-Auszeichnung auch unser neues und sehr zeitgemäßes Konzept eine Würdigung erfährt.

Die Geschäftsführerin des JugendKulturService, Doris Weber-Seifert, betont: Die Anwesenheit gleich beider Staatssekretäre bei der diesjährigen Preisverleihung hat uns sehr gefreut. Sie unterstreicht die wachsende Bedeutung unseres Theaterpreises nicht nur für die Berliner Kinder- und Jugendtheaterszene. Wir sehen der weiteren Entwicklung und Aufwertung dieses Preises in den kommenden Jahren zuversichtlich entgegen. In diesem Zusammenhang gilt unser Dank insbesondere dem Engagement der Joachim und Anita Stapel Stiftung und den zahlreichen Spenderinnen und Spendern, die die erneute Dotierung des IKARUS ermöglicht haben. Aber auch den Künstlerinnen und Künstlern der nominierten Inszenierungen ist zu danken: Sie stehen für qualitätiv hochwertiges Theater, das bereit ist, künstlerische Wagnisse einzugehen und das jüngste und junge Publikum auf faszinierende Reisen in die Welt des Theaters mitzunehmen.

Der IKARUS wird seit 2002 vom JugendKulturService als Auszeichnung für herausragende Berliner Theaterinszenierungen für Kinder und Jugendliche vergeben und ist seit 2013 mit 5.000 € dotiert. Der IKARUS möchte auf außergewöhnliche Theaterstücke aufmerksam machen, die den Theaterbesuchern besonders empfohlen werden. Nominierungen und Preisträger des IKARUS werden von einer unabhängigen Jury entschieden.

Die Joachim und Anita Stapel Stiftung stiftet die Hälfte des IKARUS-Preisgeldes, die zweite Hälfte wird bei Bürgerinnen und Bürgern in einer Spendenaktion eingeworben. Sie alle setzen damit ein deutliches Zeichen: Applaus und Anerkennung für diese künstlerische Arbeit!

 
 

IKARUS 2014: Nominierungen und Preisträger

ROSA BOCKT oder wie das mit dem Dornröschen wirklich war | theaterkosmos53 | ab 4 Jahre

Foto: Simon Bauer 
Foto: Simon Bauer

Rosa soll hier nicht hingehen und sich da nicht pieken, das nervt. Und weil Rosa diese elterliche Vorbestimmtheit satt hat – alle meinen zu wissen, was an ihrem 15. Geburtstag passieren wird – nimmt sie ihr Schicksal selbst in die Hand. Sie sticht sich mit einer Gabel und fällt in tiefen Schlaf. Traumwandlerisch geht sie zum ersten Mal ihre eigenen Wege, entdeckt unbekannte Orte im Schloss und schließt Freundschaft mit Rolf der Rose und Uwe dem Hofradio. Die beiden wissen einiges zu erzählen von dem Vorfall damals mit der ausgeladenen und wütenden 13. Fee, der den Fluch in Gang gesetzt hat, und helfen Rosa auf der Suche nach Antworten auf ihre persönlichen Lebensfragen.

„Rosa bockt" ist nicht Dornröschen, sondern die Geschichte eines Reifungsprozesses, der mit viel Witz und gekonntem Ein-Personen-Spiel mit Puppen und Objekten in ebenso schlichtem wie ergreifendem Dekor inszeniert ist.

Spaghettihochzeit | ATZE Musiktheater | ab 9 Jahre

Foto: Joerg Metzner 
Foto: Joerg Metzner

Anna und ihr bester Freund Tim machen unterschiedliche Erfahrungen mit ihren Eltern. Nach anfänglichen Problemen kommt Tim mit der Scheidung seiner Eltern ganz gut zurecht. Auch hat er sich mit dem „Neuen“ der Mutter arrangiert, in wenigen Tagen soll Hochzeit sein. Bei Anna verstehen sich die Eltern immer weniger und schreien sich an. Anna möchte die drohende Trennung ihrer Eltern verhindern und tauscht sich darüber mit Tim aus. Es gelingt ihr, dass sich ihre Eltern wieder annähern, als sie die beiden fragt, wie sie sich eigentlich kennengelernt haben. In der Rückschau der Eltern kommt auch die Erinnerung an ihre große Liebe wieder zum Vorschein. Bei der „Spaghettihochzeit“ von Tims Mutter kommen alle zusammen und für Annas Eltern und somit auch für Anna bahnt sich ein Happy-End an.

Die Inszenierung betont Aspekte wie Entwicklungschancen, Selbstbewusstsein und Freundschaft und ermutigt Kinder, in der besonderen Situation, wenn Eltern sich nicht gut verstehen, aktiv zu werden und sich nicht einzuigeln. Ein besonderer Stellenwert kommt der musikalisch-choreographischen Darstellungsweise zu.

Aussetzer | GRIPS Theater | ab 14 Jahre | ein Stück über Gewalt und Aggression im System Schule

Foto: Joerg Metzner 
Foto: Joerg Metzner

Zu seinem Hauptschulabschluss braucht Chris die Note 3. Er fordert von seiner Lehrerin die für ihn wichtige Benotung. Diese wirft Chris sein störendes Verhalten vor. Ihre Vorhaltungen werden ihm zu viel und er schlägt zu. Nach dem Angriff ist seine Lehrerin geschockt, gleichzeitig wehrt sie sich dagegen, das Opfer eines Schülers zu sein und als Versagerin dazustehen. Sie erstattet keine Anzeige und bietet dagegen Chris außerhalb der Schule Nachhilfe an. Dabei entgleitet ihr immer mehr die Situation. Letztendlich versucht die Lehrerin mit einer manipulierten Note 3 einen Befreiungsschlag, aber auch der geht schief. Was bleibt, sind Sprach- und Ausweglosigkeit auf beiden Seiten. Das einfache Bühnenbild mit einer langen Holzbank fokussiert die Inszenierung auf das Schauspiel und auf das gesprochene Wort. Die starke Schauspielleistung lässt einen intensiven Nachhall entstehen. Es ist eine herausragende Inszenierung, die sowohl die Verweigerung des Schülers als auch die Ausweglosigkeit der Lehrerin beklemmend realistisch darstellt. Der Schluss bleibt offen. Die Fragen, die in der Luft hängen, muss das junge Publikum beantworten.

Die Regie lässt ein anspruchsvolles Wechselspiel und Ineinanderfließen der Szenen und eine Überlagerung von Zeiten zu. Erzählen in Rückblenden und gleich wieder ein Agieren in der Jetztzeit. Eine hohe schauspielerische Leistung ermöglicht eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit den Figuren. Die extreme Schulsituation wird modern und wirklichkeitsnah inszeniert.

Der Räuber Hotzenplotz | Handmaids | ab 4 Jahre | frei nach Otfried Preußler

Foto: Florian Hawemann 
Foto: Florian Hawemann

Obwohl sie nicht wie eine Großmutter aussähe, weil sie keine Falten hat, ist sie doch die Großmutter. Das behauptet die Spielerin mit Hochsteckfrisur und Drahtbrille. Gleich schiebt sie die Erklärung hinterher: „Keine Falten? Kommt alles vom kalten Kaffee!“ Setzt sich auf einen Stuhl, klemmt sich eine alte Kaffeemühle zwischen die Knie und mahlt Kaffee. Damit sind gleich zu Beginn die Ironie und der Witz der ganzen Inszenierung gesetzt. Es entspannt sich ein regelrechter Puppen-Sitcom-Action-Krimi, ein Verwirr- und Verwechselspiel mit Kasperl und Seppel, dem bösen Räuber Hotzenplotz, der die Kaffeemühle klaut, einem Zauberer in seinem Schloss, mit einer in eine Kröte verwandelte Fee und der Großmutter, die virtuos das Spiel vorantreibt, bis sie ihre gestohlene Kaffeemühle wieder zurückbekommt.

Ist Kasperltheater ja an sich schon witzig, so entwickelt die Inszenierung „Der Räuber Hotzenplotz“, gespielt von Sabine Mittelhammer von der Kompanie Handmaids, Regie Daniel Wagner, einen ganz eigenen Witz und Humor. Die Spielerin übernimmt die Rolle der Großmutter und führt dabei virtuos die Handpuppen der Protagonisten. In einer wunderbaren Neubelebung des Kasperltheaters nehmen Kasperl und Seppel das junge und auch das ältere Publikum mit in die Welt der Großmutter, in der in den Augen des furchtbaren Räubers Hotzenplotz eine Kiste Gold genauso viel wert ist, wie eine Kaffeemühle.

Das doppelte Lottchen | ATZE Musiktheater | ab 7 Jahre | frei nach Erich Kästner

Foto: Joerg Metzner 
Foto: Joerg Metzner

Zwei gleich aussehende Mädchen begegnen sich zufällig in einem Ferienheim. Luise, die vor Lotte da war, wehrt sich gegen die scheinbare Konkurrenz und macht bei den Hänseleien gegenüber Lotte mit. Als sie bemerkt, wie Lotte darunter leidet, schließen sie Freundschaft und versuchen gemeinsam das Rätsel zu lüften. Sie stellen fest, dass sie Zwillinge sein müssen und sich ihre Eltern nach ihrer Geburt getrennt hatten. Um herauszufinden, wie jeweils der andere Elternteil ist, schmieden sie einen Plan mit vertauschten Kindern, bei dem jedes der Mädchen zu einem anderen Elternteil nach Hause fährt. Als der inzwischen auch von Lotte geliebte Vater heiraten möchte, teilt sie dies ihrer Schwester Luise mit, welche daraufhin das Verwechslungsspiel ihrer Mutter gesteht. Sofort fahren beide nach Wien, wo ein neues Sich-kennen-lernen stattfindet.

Die temporeiche Inszenierung von Göksen Güntel, unterstützt von Videoeinspielungen, die Lieder von Thomas Sutter und eine humorvolle Überzeichnung der Figuren und Szenen bieten eine frische Interpretation des Kinderbuchklassikers.

Die Pressetexte sowie Bildmaterial zur den IKARUS-Festwochen und den Preisverleihungen finden Sie in unserem Pressebereich

Der JugendKulturService dankt der Joachim und Anita Stapel Stiftung für ihr Engagement beim IKARUS.

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